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Kinder waren die wirtschaftliche und soziale Absicherung ihrer Eltern. Die Geburts-, wie die Sterblichkeitsrate war extrem hoch. Wenn ein Kind das 6. Lebensjahr erreicht hatte, war die Chance alt zu werden, groß (falls es nicht Seuchen, Unfälle oder Krieg gab). Kinder starben und es gab wieder neue! Die hierarchische Ordnung auf einem Bauernhof verdeutlicht das in der Sitzweise um die offene Feuerstelle (die einzige Wärmequelle) herum. Im Winter saßen Bauer und Bäuerin (nur Kleinkinder waren auf dem Schoß) an der wärmsten Stelle zwischen Feuer und Wand. Links und rechts kamen Großknecht und Großmagd, danach Kleinknecht und –magd. Dann alle weiteren Arbeitskräfte. Dort, wo es am kältesten war, saßen die Kinder ab 4 Jahren. Das klingt heute grausam! Damals waren kräftige Hände für den Erhalt des Hofes (und damit die Sicherheit nicht zu hungern) das Wichtigste.
Kinder galten noch bis ins 19. Jahrhundert hinein nicht als eigenständige Individuen. Schulische Bildung galt auf dem Land als unwichtig.
Im März 1839 entstand das 1. deutsche Kinderschutzgesetz, durch das in den Fabriken Kinderarbeit unter 14 Jahren verboten wurde. Dieses Gesetz existierte aber vorerst nur auf dem Papier, da es keinerlei Kontrollen über die Einhaltung der Vorschriften gab. Erst 1853 wurden Fabrikinspektoren eingesetzt, aufgrund deren Kontrolle das Kinderschutzgesetz Effektivität erlangen konnte.

Kleidung war und ist immer der Mode unterworfen. Heute gibt es im Teufelsmoor Trachten für Volkstanzgruppen und Vereinsmitglieder, denen jedoch keine Original-Kleidung von früher zugrunde liegen. (Der Maler Fritz Mackensen malte 1895 einen Gottesdienst im Freien. Dort ist die sehr malerische Selsinger Tracht, die aber von der Geest stammt, dokumentiert.) Das Wort Tracht kommt ganz allgemein vom Tragen der Kleidung. Ende des 18. Jahrhunderts hatte sich (entgegen der bisherigen französischen, sehr pompösen und überreich verzierten Mode) besonders in den ehemaligen Hansestädten ein schlichterer, mehr dem englischen Geschmack entsprechender, Stil durchgesetzt.
Wichtig war, nicht nur im Moor, praktische Kleidung für Frauen wie Männer. Sie war überwiegend aus Leinen, denn Flachs wurde im Teufelsmoor angebaut, gesponnen, gewebt und eingefärbt. Frauen trugen einen langen weiten Rock, eine Bluse und ein enges Mieder, das tief ausgeschnitten war. Das Brusttuch wurde in den Ausschnitt gesteckt. Schürze und Haube gehörten, wie heute auch noch bei den Trachten, zur Kleidung. Alltags- und Sonntagskleidung unterschied sich nur wenig. Das Brautkleid war das Sonntagskleid und wurde häufig bis ans Lebensende getragen. Männer trugen eine Kniehose, Hemd und Weste, eine Jacke. Eine Pelerine, eine Art weiter Umhang, schützte vor Nässe und Kälte. Aus Schafwolle wurden Strümpfe und wärmende Kleidung gestrickt.

Kloben oder heute Klaben ist eine Bremer Kuchenspezialität (ähnlich dem Stollen). Beim Klaben ist das gleiche Verhältnis zwischen Hefeteig und den ’bunten’ Zutaten wichtig! Das Wort bedeutet spalten, wie ein Stück Holz hat der Klaben längs einen tiefen Einschnitt. Heute ein Weihnachtsgebäck, wurde der Klaben traditionell zu jedem Fest und jedem Feiertag gegessen. Lecker schmeckt eine Scheibe Klaben mit einer Scheibe Schwarzbrot als Doppeldecker, dazwischen dick Butter und Mettwurst oder geräucherter Schinken.

Kolonisation bedeutet Besiedelung und wirtschaftliche Erschließung einsamer Gegenden. Die Teufelsmoor-Region gehörte zu Hannover und damit König Georg III. Unfruchtbare Landstriche sollten mit möglichst wenig Kosten-Aufwand urbar gemacht werden. Die Kolonisation wurde den anzusiedelnden Kolonisten aufgebürdet: Sie waren zuständig für das Ausheben der Verbindungsgräben, für die Entwässerung und die Instandhaltung der Gräben. (Nur die Arbeit an den Hauptkanälen und –dämmen wurden ihnen bezahlt.)
Gleichzeitig sollten sie Torf, auch für den Verkauf, graben und Landwirtschaft betreiben. Grünland musste zuerst einmal geschaffen werden. Starthilfe kam vom “König“ nur durch zeitlich begrenzte Befreiung von Steuer und Militärdienst, durch einmalige Natural-Hilfen wie Bauholz, Getreide und Obstbäume.

Kolonisten sind die ersten Bewohner im Moor.

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